von Yannic Bellino, Januar 2026
Nach sechs Jahren als engagiertes Mitglied des Tuma Kimbi e.V. habe ich es Ende 2025 endlich geschafft, unsere Partnerorganisationen vor Ort zu besuchen. Und die Menschen, die diese Organisationen mit Leben füllen, sowie die Kinder und Jugendlichen, die dort Unterstützung finden, kennenzulernen.
Von Ende November bis Mitte Dezember war ich gemeinsam mit Armin in Kenia. Die meiste Zeit waren wir in Nairobi. Dort sitzen drei der vier Partnerorganisationen, die wir besucht haben.
Am Abend unserer Ankunft erwartete uns am Flughafen in Nairobi trotz sehr später Stunde ein kleines Empfangskomitee. Mary Njeri Daniel, die Gründerin des Mary Faith Children Center, Margret Nduta, eine ihrer Mitarbeiterinnen sowie Haron, einer der älteren Jungs aus dem Center und zwei frischgebackene Uni-Absolventinnen, die als Jugendliche von Tuma Kimbi unterstützt wurden, Mary Achola und Sheila Potishoi, holten uns ab und fuhren gemeinsam mit uns in die Stadt zu unserer Unterkunft.
Am nächsten Morgen besuchten wir das Mary Faith Children Center im Stadtteil Riruta Dagoretti South. Wir wurden dort im 2024 erbauten neuen Center überschwänglich in Empfang genommen. Die Freude über das Wiedersehen mit Armin war bei allen sehr groß. Aber auch ich, als bislang Unbekannter, wurde beklatscht, besungen, geherzt und anschließend mit Fragen über mich, über meine Reise, über Deutschland und Berlin überhäuft. Die Neugier und Wissbegierigkeit der Kinder wollte ich gerne bedienen und gab Auskunft über mein Lieblingsessen, das Wetter in Deutschland, die Reise mit dem Flugzeug, das Leben in Berlin und so fort.
Zwei der Jugendlichen, die im Children Center leben, Amos und Shantel, gaben mir anschließend eine Führung und zeigten mir alles, von der Gemeinschaftsküche und dem Büro im Erdgeschoss über die Schlafsäle im ersten Stock bis hin zum Hühnerstall und Gemüsegarten auf dem Dach. Auch der große schwarze Frischwassertank im Hof, der nun direkt vom 2025 neu gebauten Brunnen gespeist wird, wurde stolz präsentiert. Es fühlte sich fast ein wenig surreal an, das Center erstmals mit eigenen Augen zu sehen und in all seiner Lebendigkeit zu erleben, nachdem ich es zuvor auf so vielen Bildern und Videos gesehen hatte – aber eben nur vom Bildschirm kannte.
Ich erkannte auch einige der Kinder und Jugendlichen von Videos und Fotos, die ich für unsere Social Media-Kanäle verarbeitet hatte. Sie hingegen hatten mich noch nie gesehen. Trotzdem wurde ich von Anfang an als Mitglied der “Tuma Kimbi Familie” wie ein alter Freund behandelt. Einige der Kleinkinder wollten immer gerne an der Hand gehalten oder getragen werden. Die älteren erzählten mir viel von sich und von ihren Plänen und Träumen.
Tags darauf machten wir einen mehrtägigen Überraschungsausflug in den Heimatort von Mary Njeri Daniel. Wir fuhren also etwa 200 Kilometer in den Norden nach Nanyuki. Dort, in der Nähe des Mount Kenya National Park, ist Mary aufgewachsen. Und dort betreibt Marys 85-jährige Mutter noch immer eine kleine Farm, die Lebensmittel für das Children Center produziert. Einige Jugendliche aus dem Center lernen dort Grundlagen der Landwirtschaft.
Zurück in Nairobi besuchten wir in den folgenden zwei Wochen immer wieder Marys Center. Die Kinder brachten mir bei, wie man Chapati backt, ein simples Fladenbrot aus Mehl, Wasser und Öl. Wir pumpten gemeinsam die Bälle auf, die unser Unterstützer Michael Sasse uns als Spende mitgegeben hatte, und spielten Fußball im Hof und auf einem nahegelegenen Ascheplatz. Ich erhielt den Spitznamen “Yang Yang”, da sich gerade die Jüngeren mit dem Namen Yannic etwas schwer taten.
Neben dem Mary Faith Children Center besuchten wir in Nairobi auch das Shiphrah Center, das wir seit vielen Jahren mit Spendengeldern unterstützen. Die Kinder erwarteten uns schon im großen Speisesaal und begrüßten uns mit Gospel-Gesängen. Im Hof spielte ich auch dort mit den Kindern Fußball.
Martha Njeri, Gründerin des Shiphrah Center, und ihre Familie servierten uns anschließend in ihrem Wohnzimmer vorzügliche Mandazis, bestehend aus frittiertem süßen Hefeteig, und den landesüblichen Chai mit Milch und Zucker und erzählten uns von ihrer Arbeit. Wie auch in vielen weiteren Gesprächen während der Reise, wurde der katastrophale Zustand des kenianischen Gesundheitssystems beklagt. Regelmäßige Streiks in öffentlichen Krankenhäusern und ein dysfunktionales Krankenversicherungssystem zwingen die Leiterinnen der Kinderzentren bei Notfällen oft zum Ausweichen auf teure Privatkliniken. Es besteht die Hoffnung, dass nach einer jüngst durchgeführten Reform des Gesundheitssystems eine Besserung eintritt. Angesichts der von unseren Gesprächspartnerinnen immer wieder beklagten politischen Verhältnisse bleibt aber auch ein Zweifel, ob die Reform die erhoffte Verbesserung bedeutet. Umso wichtiger, dass unsere Weihnachtsspendenaktion unter dem Motto “Operation Zukunft: Gesundheit schenken” sehr erfolgreich verlief! Wir können weiter lebenswichtige Unterstützung bei den Gesundheitskosten leisten.
Die Kommunikation zur Spendenaktion steuerten Armin und ich aus Kenia. Bei den Nairobi Family Support Services (NFSS) konnten wir während unseres Besuchs Material für unsere Social Media-Videoreihe sammeln. Ich lernte die NFSS-Leiterin Hannah Mwangi kennen. Sie stellte uns Wendy und Benson Derryl vor. Benson leidet unter Zerebralparese und seine Tante Wendy kümmert sich mit Hilfe der NFSS um ihn. Im Video auf unseren Social Media-Kanälen könnt Ihr alle drei kennenlernen (LinkedIn, Facebook, Instagram).
Neben den drei Partnerorganisationen direkt in Nairobi (Mary Faith, Shiphrah und NFSS) besuchten wir auch die Faraja Orphan Care Foundation im Machakos County, etwa 50 Kilometer östlich vom Stadtzentrum Nairobis. In der ländlichen Umgebung kümmern sich dort unsere langjährige Partnerin Jane Gitubia und ihr Mann Moses um Waisen- und Straßenkinder. Auch hier wurden wir sehr herzlich aufgenommen. Ein kleiner Junge nahm mich direkt an die Hand und zeigte mir begeistert die auf dem Gelände lebenden Nutz- und Haustiere.
Direkt neben dem Bestandsgebäude möchten Jane und Moses ein Ausbildungszentrum bauen, das Faraja Vocational Centre. Das Land besitzen sie bereits. Nun müssen Gelder für die Finanzierung des Ausbildungszentrum gefunden werden.
Jane nahm uns auch mit zu einigen Hausbesuchen, die sie als Sozialarbeiterin bei Familien mit Unterstützungsbedarf in der strukturschwachen Region macht. Zumeist sind dies kinderreiche, sehr arme Familien mit vollständig oder weitestgehend abwesenden Vätern und alleinerziehenden Müttern. Die Faraja Foundation unterstützt diese Familien darin, ihren Kindern eine Schulbildung zu ermöglichen.
Es war für mich sehr bewegend und ermutigend, vier der sechs Partnerorganisationen von Tuma Kimbi vor Ort kennenzulernen. Ich traf Erwachsene, die ihr Leben bedürftigen Kindern und Jugendlichen verschrieben haben und mit Leidenschaft unter schwierigsten Bedingungen für sie kämpfen, für sie da sind und sich für sie aufopfern. Ich traf Kinder und Jugendliche, die trotz teils schwerster Traumata eine ansteckende Lebensfreude versprühen und an eine bessere Zukunft glauben. Ich erlebte tiefe Dankbarkeit für das verlässliche langjährige Engagement von Tuma Kimbi. Und ich sehe mich bestätigt in meiner Überzeugung, dass jeder einzelne Spenden-Euro, den wir mit Tuma Kimbi sammeln, in diesen Projekten gut angelegt ist.
Während meines rund zweiwöchigen Besuchs war es mir leider nicht möglich, auch unsere beiden Partnerorganisationen in Uganda zu besuchen. Umso schöner war es, dass ich kurz vor meiner Abreise noch Maliza Nanziri kennenlernen konnte. Sie ist die Leiterin der Raising Stars School im ugandischen Rakai-Distrikt, die wir über das Butterfly Center unterstützen. Sie war während der Schulferien mit ihrer kleinen Tochter für einige Tage in Nairobi zu Besuch.
So konnten die beiden dann auch an meinem letzten Tag in Kenia bei der großen Feier im Mary Faith Children Center dabei sein. Die Feier gab es nicht etwa anlässlich meiner Abreise, sondern um Mary Achola und Sheila Potishoi zu feiern. Beide haben ihren Uni-Abschluss geschafft. Sie kamen in ihren Absolventinnen-Roben und -Hüten und wurden begeistert empfangen. Achola und Sheila sind große Vorbilder für die Mädchen und Jungen im Mary Faith Children Center. Denn sie haben es trotz schwieriger Startbedingungen nicht nur bis an die Uni, sondern gar bis zum Uni-Abschluss geschafft!
Bei der Feier, die den ganzen Tag ging, sah ich nochmal viele der Menschen, die ich in den zwei Wochen kennengelernt und liebgewonnen habe. Es wurde den ganzen Tag zusammen getanzt und gegessen, gesungen und geredet. Es folgte ein teils tränenreicher Abschied. Und ein Versprechen meinerseits, dass ich bald wiederkommen werde.
Armin, der noch drei weitere Wochen in Kenia verbrachte, hat mir erzählt, dass die Kinder schon an Weihnachten und Silvester nachgefragt haben, ob ich denn nun wieder vorbeikomme. Ganz so schnell ging es leider nicht. Aber mein Versprechen werde ich einhalten.
Ich kann jedem, der bis hierhin gelesen hat, ans Herz legen, nach Kenia zu reisen und unsere Tuma Kimbi-Partnerorganisationen zu besuchen, die Menschen kennenzulernen, die wir unterstützen, und die herzerwärmende Gastfreundlichkeit zu erfahren, die ich erfahren habe.
Diese Begegnungen waren bewegend, bereichernd und bestärkend.